Joggen schadet den Gelenken. Wirklich?
- Prof. Dr. Gert Krischak

- 26. Nov. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 17. Dez. 2025

Joggen gehört weltweit zu den beliebtesten Ausdauersportarten – und das aus gutem Grund. Regelmäßiges Laufen stärkt nachweislich das Herz-Kreislauf-System, verbessert die Sauerstoffversorgung des Körpers, unterstützt das Immunsystem und trägt wesentlich zum Abbau von Stress und psychischer Belastung bei. Darüber hinaus hilft Joggen, das Körpergewicht zu regulieren und den Stoffwechsel aktiv zu halten.
Trotz dieser vielen Vorteile hält sich jedoch seit Jahren ein hartnäckiger Mythos:Joggen schade den Gelenken – insbesondere den Knie- und Sprunggelenken – und könne langfristig zur Entstehung von Arthrose beitragen. Aus Sorge vor Verschleiß verzichten daher viele Menschen vorsorglich auf das Laufen oder brechen eine begonnene Laufaktivität wieder ab.
Doch diese Annahme lässt sich wissenschaftlich nicht bestätigen. Die überraschende Erkenntnis aus mehreren neueren Studien lautet: Regelmäßiges, moderates Joggen schädigt die Gelenke nicht (Khan MCM et a., 2022). Im Gegenteil zeigt sich, dass sich der Gelenkknorpel nach Belastung erholen kann und sich sogar an wiederkehrende, dosierte Belastungen anpasst. Durch die rhythmische Be- und Entlastung beim Laufen wird der Knorpel besser mit Nährstoffen versorgt, was seine Belastbarkeit und Widerstandsfähigkeit langfristig fördern kann.
Bemerkenswert ist, dass selbst bei intensiven Freizeit- und Langstreckenläufern kein erhöhtes Arthrose-Risiko nachgewiesen werden konnte (Ponzio et al., 2018). Eine Ausnahme stellt vor allem der Hochleistungssport dar (Driban JB et al., 2017): Sehr hohe Trainingsumfänge, extreme Intensitäten und einseitige Belastungen können das Risiko für Gelenkverschleiß signifikant erhöhen.
Es gibt also keinen vernünftigen Grund das Joggen zum vermeintlichen Wohl seiner Gelenke aufzugeben. Entscheidend ist nicht das Joggen an sich, sondern wie gelaufen wird. Wer auf seinen Körper hört, Trainingsumfänge langsam steigert und ausreichend Regenerationsphasen einplant, schafft gute Voraussetzungen für ein gelenkfreundliches Laufen.
Unterstützend wirken gut passende Laufschuhe mit angemessener Dämpfung und Stabilität. Ein weicherer Untergrund wie Wald- oder Naturboden kann den Laufkomfort erhöhen, ist jedoch keine zwingende Voraussetzung für gesundes Joggen.
Fazit: Aus heutiger wissenschaftlicher Sicht spricht nichts gegen regelmäßiges, moderates Joggen. Iim Gegenteil, richtig ausgeführt kann das Laufen nicht nur das Herz und die Psyche stärken, sondern auch die Gelenkgesundheit unterstützen. Wer gerne joggt, darf dies also mit gutem Gewissen tun.
Also: Laufschuhe schnüren, Tempo anpassen und in Bewegung bleiben.



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