Der Placebo-Effekt: mächtig, real – und oft missverstanden
- Prof. Dr. Gert Krischak

- 17. Dez. 2025
- 2 Min. Lesezeit

Der Placebo-Effekt ist kein Mythos. Er ist wissenschaftlich gut belegt und zeigt eindrucksvoll, wie stark Erwartungen, Hoffnung und Überzeugungen unsere Wahrnehmung von Schmerz und Beschwerden beeinflussen können. Allein der Glaube an eine wirksame Behandlung kann im Gehirn Prozesse auslösen und Substanzen (u.a. Endorphine) , die Schmerzen lindern, Beweglichkeit verbessern oder Symptome vorübergehend abschwächen.
Und genau hier beginnt ein Problem.
Denn es gibt Therapien und Programme, die mit großen Versprechen auftreten: „Arthrose ist heilbar“, „Dieses Präparat baut den Knorpel wieder auf", oder „Mit diesem Mittel werden Sie Ihre Arthroseschmerzen wieder los“. Solche Aussagen sind einfach, emotional und wirken besonders überzeugend auf Menschen, die schon lange unter Beschwerden leiden.
Was geschieht dabei mit uns? Die kurzfristige Besserung entsteht nicht durch eine nachweisbare Wirkung auf die Arthrose selbst, sondern durch Erwartung, Aufmerksamkeit, Hoffnung und den starken Wunsch nach einer Lösung. Der Effekt ist also tatsächlich real – aber er ist kein Beweis für eine Heilung.
Problematisch wird es dann, wenn diese vorübergehende Linderung als Durchbruch verkauft wird. Wenn komplexe Erkrankungen auf einfache Ursachen reduziert werden. Und wenn wissenschaftliche Unsicherheiten bewusst ausgeblendet werden, um Sicherheit vorzutäuschen.
Der Placebo-Effekt kann Symptome lindern, weil Sie daran glauben. Er kann aber niemals zerstörten Knorpel reparieren und keine Arthrose heilen.
Warum Wissenschaft bewusst den schwierigeren Weg geht
Der entscheidende Unterschied zwischen seriöser Medizin und einfachen Heilsversprechen liegt nicht im Glauben, sondern in der Überprüfung. Wissenschaft verlässt sich nicht auf Einzelfälle oder begeisterte Erfahrungsberichte. Sie beobachtet systematisch, vergleicht, rechnet nach. Und sie zweifelt.
Jede Therapie muss erst beweisen, dass sie besser wirkt als der Placebo-Effekt selbst. Dafür werden große klinische Studien durchgeführt: Hunderte oder Tausende von Patienten werden zufällig in Gruppen eingeteilt, echte Therapien mit Scheinbehandlungen verglichen, Effekte statistisch berechnet und quantifiziert. Oft dauert dieser Prozess Jahre und kostet bis zu mehreren Millionen Euro. Pro Studie.
Erst wenn ein Effekt reproduzierbar, belastbar und deutlich über dem Placebo-Niveau liegt, gilt eine Behandlung als wirksam. Und erst, wenn mehrere solcher Nachweise unabhängig voneinander und nach höchsten wissenschaftlichen Prinzipien zum gleichen Ergebnis bekommen, sprechen wir Wissenschaftler von einer „bewiesenen“, und nennen das Evidenz.
Genau hier scheitern viele vermeintlich „revolutionäre“ Methoden. Sie fühlen sich gut an, klingen logisch und erzeugen Hoffnung. Doch halten sie dem wissenschaftlichen Vergleich nicht stand. Was bleibt, ist ein kurzfristiger Effekt, der erklärbar ist, aber die Erkrankung selbst nicht verändert.
Was heißt das für uns?
Wissenschaft ist unbequem. Sie verspricht keine Wunder, sondern Wahrscheinlichkeiten. Sie verkauft keine Gewissheiten, sondern Transparenz.
👉 Nicht alles, was wirkt, heilt.
👉 Und nicht alles, was sich gut anfühlt, verändert die Krankheit.
Genau davon leben selbsternannte Heilsbringer: von einfachen Erklärungen, großen Versprechen und der gezielten Nutzung von Hoffnung. Bücher, Programme und Produkte, die schnelle Heilung suggerieren, sparen sich den mühsamen Weg der wissenschaftlichen Überprüfung und ersetzen ihn durch Emotionen und Einzelfallgeschichten.
Wer Wissenschaft versteht, erkennt den Unterschied. Und wer ihn erkennt, schützt sich vor falschen Hoffnungen, teuren Irrwegen. Und vor allem, er trifft bessere Entscheidungen für seine Gesundheit.
Mit „Die Arthrose-Formel“ beschreite ich genau diesen Weg: um Ihnen die wissenschaftlich belegten, wirksamen Methoden der Arthrosetherapie verständlich und praxisnah näherzubringen.
Ich wünsche Ihnen dabei gute Besserung!



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