Gelenkinjektionen mit Hyaluronsäure – wie sinnvoll sind sie?
- Prof. Dr. Gert Krischak

- 26. Nov. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 17. Dez. 2025

Hyaluronsäure-Injektionen gehören zu den ältesten und am weitesten verbreiteten invasiven Arthrose-Therapien. Viele kennen das: Man erhält meist 3 bis 5 Spritzen in das betroffene Gelenk, und das Ganze wird oft jährlich wiederholt. Viele Betroffene berichten subjektiv von einer gewissen Erleichterung, und genau das trägt zu dem Eindruck bei, dass diese Therapie grundsätzlich „funktioniert“.
Wenn man jedoch nüchtern die wissenschaftliche Datenlage betrachtet, ergibt sich ein ganz anderes Bild. Die bisher umfassendste Analyse zeigt, dass der Effekt von Hyaluronsäure-Injektionen zwar gerade noch messbar, aber extrem klein ist (Pereira 2022, BMJ).
Um es greifbar zu machen:
➡️ Die durchschnittliche Schmerzlinderung liegt bei 0,2 Punkten auf einer Skala von 0 bis 10.
➡️ Dieser Wert liegt unterhalb der Schwelle, die Patientinnen und Patienten überhaupt bewusst wahrnehmen können.
Das heißt nicht, dass niemand eine Wirkung verspürt, aber statistisch gesehen lebt die Methode weit überwiegend vom Placeboeffekt. Auf der anderen Seite gibt es die klassischen Risiken jeder Gelenkinjektion, wie Infektionen, allergische Reaktionen, Schwellungen und Blutergüsse. Und nebenbei, die Kosten müssen in der Regel selbst getragen werden .
🩸 PRP (Eigenblut): eine Methode mit deutlich stärkeren Effekten
Deutlich anders verhält es sich bei der Eigenbluttherapie (PRP). Nach der Blutentnahme wird durch Zentrifugation ein plättchenreiches Plasma gewonnen, das eine hohe Konzentration an Wachstumsfaktoren und Zytokinen enthält. Diese wirken entzündungsmodulierend, fördern die Zellproliferation sowie die Bildung von extrazellulärer Matrix und können so die Regeneration von Knorpel, Sehnen und anderen gelenknahen Strukturen unterstützen.
Neuere Studien, darunter eine große Meta-Analyse (Bagheri 2025), zeigen:
➡️ PRP lindert Schmerzen deutlich stärker als Hyaluronsäure.
➡️ Die Verbesserung von Funktion und Beweglichkeit ist klar nachweisbar.
➡️ Der Effekt hält oft 6 bis 12 Monate an.
➡️ Und die Methode ist gut verträglich.
PRP ist nicht perfekt und natürlich gibt es auch hier Grenzen. Aber insgesamt zeigt sich in der Literatur zwischenzeitlich ein konsistentes Bild: PRP gehört zu den wirksamsten konservativen Behandlungsmethoden bei Kniearthrose und mehreren anderen Arthroseformen.
🔀 Kombination aus Hyaluronsäure & PRP: klingt logisch – wirkt aber nicht stärker
Einige Praxen bieten mittlerweile Kombinationstherapien an, bei denen Hyaluronsäure und PRP gemeinsam injiziert werden. Die Studienlage ist hier aber deutlich (Zhang 2022):
➡️ Die Kombination ist nicht wirksamer als PRP allein. Mehr Aufwand, mehr Kosten, aber keine zusätzliche Wirkung.
Was heißt das für die Praxis?
Gelenkinjektionen allein klingen oft verlockend, weil es so scheint, als könne ein einziger „Pieks“ das Problem lösen. Doch davon sind wir weit entfernt. Injektionen können einen wichtigen Beitrag zur Linderung von Arthroseschmerzen leisten, aber nur im Rahmen eines ganzheitlichen Arthrosemanagements. Kombiniert mit gezielter Bewegung, funktionellem Training, Gewichtsregulation und entzündungshemmenden Strategien entfalten sie ihren größten Nutzen. Richtig eingesetzt sind sie eine wertvolle Ergänzung, von der viele Menschen profitieren können. Allerdings nur vorausgesetzt, man entscheidet sich für eine Methode, deren Wirksamkeit wissenschaftlich tatsächlich belegt ist.
Ein Wort an alle Betroffenen
Arthrose ist eine Erkrankung, die viel Verunsicherung auslösen kann, zum Teil durch widersprüchliche Informationen, zum Teil durch überholte Methoden, die sich hartnäckig halten. Ich hoffe, dieser Beitrag und andere auf dieser Seite helfen Ihnen dabei, etwas Klarheit in die aktuelle Studienlage zu bringen. Wenn Sie Fragen haben, Erfahrungen teilen möchten oder bestimmte Themen näher interessiert, schreiben Sie gern in die Kommentare.
Ich wünsche Ihnen allen eine stabile, schmerzarme Zeit und gute Besserung! 💙



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