Arthrose – und trotzdem schmerzfrei?
- Prof. Dr. Gert Krischak

- 26. Nov. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 17. Dez. 2025

Arthrose bedeutet Schmerz! Diese Überzeugung ist weit verbreitet. Doch die Wahrheit sieht anders aus. Tatsächlich gibt es viele Menschen, die Arthrose haben und dennoch völlig schmerzfrei leben. Und das sind keineswegs seltene Ausnahmen. Denn nicht jeder, der Arthrose hat, ist zwangsläufig schmerzgeplagt.
Das Schmerzparadoxon bei Arthrose
Viele Betroffene kommen wegen ihrer Schmerzen erstmals zum Orthopäden und erhalten dort die Diagnose Arthrose. Schmerz gilt seither als das Leitsymptom der Arthrose. Doch dabei handelt es sich um eine folgenschwere Fehlannahme, denn Schmerz und Arthrose gehören nicht zwangsläufig zusammen.
Die Medizin stand schon lange vor einem Rätsel: Untersucht man die Patientin oder den Patienten mit Arthrose und schaut exakt auf das Röntgenbild, so fällt in vielen Fällen auf, dass der Schweregrad der Arthrose und die Stärke der Schmerzen überhaupt nicht übereinstimmen.
Die eine hat eine Arthrose nach dem Röntgengrad 4, klagt aber allenfalls übe gelegentliche Schmerzen und es geht ihr gut. Ein anderer hat schwere und immobilisierende Schmerzen - doch das Röntgenbild zeigt hier einen milden Grad 2.
Eine Studie aus den USA hat das bestätigt (Hannan MT et al. 2000, J Rheumatol): Es wurden 7.000 zufällig ausgewählte Personen mit einem Röntgenbild der Kniegelenken untersucht. Von diesen hatten 319 Personen deutlich sichtbare Röntgenanzeichen einer Arthrose. Doch das eigentlich überraschende war: Nur die Hälfte von ihnen hatte überhaupt Schmerzen!
Weitere Untersuchungen bestätigten diese Ergebnisse:
👉 Eine schwere Arthrose kann völlig schmerzfrei sein.
👉 Selbst starke Schmerzen können auftreten, obwohl die Arthrose nur mild ausgeprägt ist.
Heute wissen wir: Es gibt keinen direkten Zusammenhang zwischen dem Arthrosegrad und der Schmerzintensität und -häufigkeit.
Woher kommen die Schmerzen?
Der Schlüssel im Verständnis liegt nicht im Grad des Knorpelschadens, sondern in der Ausprägung der Gelenkentzündung.
Nicht der sichtbare Arthrosegrad im Röntgen, sondern der Entzündungsgrad im Gelenk bestimmt, wie stark die Schmerzen sind. Damit wurde das Paradoxon um diese Unstimmigkeit aufgelöst.
Nicht der Knorpelschaden selbst verursacht den Schmerz.
Es ist die entzündliche Aktivität im Gelenk, die den Schmerz verursacht und bestimmt..
Die niedriggradige, aber dafür chronische Entzündung bei Arthrose darf nicht verwechselt werden mit einer Infektion, auch Rheuma ist eine völlig andere Art dieser Entzündung. Im Gegensatz zu diesen geht Arthrose mit einer eigenen und speziellen Ausprägung der Entzündung einher: Diese Entzündung ist niedriggradig und verläuft langanhaltend, chronisch.
Was bedeutet das für die Behandlung?
Das Ziel der Arthrosebehandlung ist nicht, „den Knorpelgrad zu ändern“, sondern:
➡️ die Entzündung zu reduzieren und damit die Schmerzen zu kontrollieren.
So wird es möglich, den Alltag, den Beruf und die eigenen Hobbys wieder so ausführen zu können, dass sie Freude statt Einschränkung bedeuten. Und das nicht trotz Arthrose, sondern mit der Arthrose.
Arthrose verläuft in Wellen – eine häufig übersehene Tatsache
Arthroseschmerzen verlaufen typisch schubweise und wellenförmig
Das bedeutet:
Schmerzen kommen und gehen
unabhängig davon, was man gerade ausprobiert hat
und oft völlig ohne Zusammenhang zu vermeintlichen „Heilmitteln“
Genau hier entsteht das Problem: Viele wirkungslose Produkte, von der „Wunderpille“ über den „Arthrose-Joghurt“ bis zur Nackenrolle, erscheinen plötzlich erstaunlich wirksam und effektiv. Man wendet sie eine Woche lang an, und der Arthroseschmerz ist tatsächlich deutlich geringer. Doch dieser Zusammenhang täuscht. Nicht, weil diese Produkte wirken, sondern weil der Schmerz im natürlichen Verlauf häufig von selbst nachlässt. Was als Erfolg wahrgenommen wird, ist oft kein Therapieeffekt, sondern der normale Rhythmus der Erkrankung.
👉 Wellenförmige Schmerzverläufe erzeugen Scheineffekte. Und viele "Therapien" profitieren von diesem Zufall.
Die gute Nachricht: Es gibt tatsächlich wirksame Möglichkeiten
Trotz vieler Mythen und Fehlannahmen gibt es heute sehr gut belegte, seriöse Methoden, Arthroseschmerzen wirksam zu behandeln. Und das auch ohne Operation.
Dank intensiver Forschung der letzten Jahre verstehen wir:
welche Prozesse die Arthrose antreiben
welche Faktoren Schmerzen beeinflussen
und welche Maßnahmen langfristig helfen
Entscheidend ist, dieses Wissen sinnvoll zu kombinieren und in einen strukturierten Therapieplan zu integrieren.
Mein Angebot an Sie
Ich möchte Ihnen Orientierung geben in einem Bereich, der oft von widersprüchlichen Empfehlungen, Wunderversprechen und überholten Vorstellungen geprägt ist. Es gibt wirksame, fundierte und realistische Wege, Arthroseschmerzen dauerhaft zu reduzieren, und ich möchte Ihnen helfen, sie zu finden.
Wenn Sie Fragen haben oder Ihre eigenen Erfahrungen teilen möchten, schreiben Sie gern in die Kommentare.Ich wünsche Ihnen eine schmerzarme, bewegliche und aktive Zeit! 💙



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